Ev.-luth. Kirchenkreis Stolzenau-Loccum

 Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen die von den Pastorinnen und Pastoren unseres Kirchenkreises veröffentlichten Andachten in der Tageszeitung.

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Von Pastor Siegmund Kricheldorf, Steyerberg

 

Teilen mit Bischof Martin

 Jedes Jahr finden um den 11. November herum in vielen Kirchengemeinden Laternenumzüge statt, die Martinsumzüge. Oft sind sie ökumenisch organisiert, wie dies auch in meiner ehemaligen Gemeinde in der Umgebung von Hannover der Fall war und immer noch ist. Dort ziehen die Kinder mit ihren leuchtenden Laternen in jährlichem Wechsel von der katholischen zur evangelischen Kirche oder umgekehrt. In der Kirche, in welcher der Zug beginnt, wird eine Spielszene aufgeführt, welche die bekannte Geschichte erzählt, wonach Martin, der spätere Bischof in der französischen Stadt Tours, Christ wurde, nachdem er mit einem Bettler seinen Mantel geteilt hatte. Und am Ziel des Umzuges gab es dann Hörnchen, die geteilt wurden. Auch bei uns in Steyerberg gibt es einen Martinsumzug. Hier beginnt der Weg immer am Amtshof und führt zur St.-Katharinenkirche. Nach einer Andacht mit einem kleinen Martinsspiel geht es dann in den Gemeindesaal, wo Würstchen geteilt werden.

Es ist eine Legende, die so jedes Jahr erzählt wird. Aber auch wenn Martin seinen Mantel vielleicht gar nicht mit einem Bettler geteilt hat, so hat diese Geschichte eben doch ihre Wirkung, indem sie zum Teilen anregt.

Martin war als junger Mensch schon mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen, und folgte nur unwillig dem Gebot seines Vaters, eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Erst nach 25 Dienstjahren durfte er die römische Armee verlassen, wirkte mit an der Verbreitung des christlichen Glaubens und wurde so zum Gründer des ersten Klosters in der westlichen Welt. Im Jahre 372 wurde er schließlich zum dritten Bischof der französischen Stadt Tours gewählt und zeichnete sich in seiner Amtszeit vor allem dadurch aus, dass er Menschen in Not half. Auch lehnte er es ab, in der Stadt zu leben, und teilte lieber das Leben der armen Bevölkerung in den Holzhütten vor der Stadtmauer. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November bestattet, dem Tage, der bis heute mit seinem Namen verbunden ist.

Wenn wir nun heute wieder mit den Umzügen und unseren Andachten an Martin erinnern, so steht dabei immer das Teilen im Vordergrund. Die Tat der Mantelteilung, die ihm zugeschrieben wird, dient uns zum Vorbild. Sie erinnert uns daran, dass wir als Christen durch unsere Taufe zu einer Gemeinschaft miteinander verbunden wurden, zu einer Gemeinschaft, in der alle füreinander da sind, einander zur Seite stehen und das Leben miteinander teilen.

 Ihr

Siegmund Kricheldorf, P.

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Hier können Sie noch einmal ältere Andachten nachlesen...