Ev.-luth. Kirchenkreis Stolzenau-Loccum

 Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen die von den Pastorinnen und Pastoren unseres Kirchenkreises veröffentlichten Andachten in der Tageszeitung.

___________________________________________________________________________________________________________

Von P. Ingo Krause, Warmsen

 

Kriegsende

 

„Heute einen Krieg beenden“ so lautet das Motto der diesjährigen Buß und Bettagskampagne.

Was für ein seltsamer Titel, dachte ich beim ersten Lesen. Als wenn ich einen Krieg beenden könnte. Was kann ich denn als Einzelner tun, um die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien, Jemen oder Afghanistan zu beenden.

Auf dem Plakat zur Kampagne ist eine ausgestreckte Hand zu sehen – die Einladung zur Versöhnung.

Und plötzlich fallen mir viele Situationen ein, in denen es Menschen nicht möglich war, einander die Hand zu geben. Viele Streitigkeiten kommen mir in den Sinn. Jugendliche, die sich nach einer Rauferei nicht vertragen wollten; Ehepartner, die sich den Alltag unerträglich machten; Familien, die sich im Erbstreit völlig entzweiten.

Einen Krieg beenden, einander die Hand  reichen – mit diesem Motto zum Buß- und Bettag soll nicht die große Weltpolitik  thematisiert werden, sondern unser persönlicher Beitrag zu einem friedvollen Umgang in unserem persönlichen Umfeld.

Ich habe gestaunt, wie viele Menschen sich an der Kampagne beteiligen. Auf der dazugehörigen Internetseite haben sie geschrieben, welche Kriege sie gerne beenden möchten.

Bernhard beispielsweise möchte den Krieg gegen seinen inneren Schweinehund beenden, Kevin dagegen den Krieg gegen die Natur aufgrund der menschlichen Ignoranz. Und Nicole schreibt:

 „... Den Krieg gegen mich selbst und gegen meine Nächsten. Frieden muss im Herzen und Geist beginnen.“

Ich vermute, jeder könnte diesen Einträgen etwas aus dem Repertoire der täglichen Kleinkriege hinzufügen.

Das können die Sticheleien am Arbeitsplatz, das Verhältnis zum Nachbarn, das eigene Konsumverhalten oder der Umgang mit der Natur sein.

Der Buß- und Bettag stellt uns vor die Frage, welche Kriege führe ich eigentlich? Und nutze ich die Möglichkeit zu einem Neuanfang?

 

Die ausgestreckte Hand auf dem Plakat erinnert daran, dass Versöhnung möglich ist. Mir fällt dazu die Lesung aus dem Kolosserbrief ein, die ich in jeder Trauung den Eheleuten vortrage. Da heißt es:

„Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3,13).

Gottes Barmherzigkeit versetzt uns in die Lage, in die ausgestreckte Hand unseres vermeintlichen Kontrahenten  einzuschlagen. Einander die Hände reichen, in die Augen sehen und miteinander sprechen – so gelingt Versöhnung. Warum nicht heute einen Krieg beenden?

Ihr

Ingo Krause, P.

 

 -------------------------------

 

 ___________________________________________________________________________________________________________

Hier können Sie noch einmal ältere Andachten nachlesen...